Hallux valgus – der schiefe Zeh als Volkskrankheit
- danielgauss92
- 12. Nov. 2023
- 2 Min. Lesezeit

Betroffene leiden oft unter starken Schmerzen. Wann hilft Physiotherapie und wann macht eine Operation Sinn?
Im Sommer werden unsere Füße meist in offene Schuhe wie Sandalen oder Flip-Flops gesteckt. Was die einen freut, finden solche, die unter einem Hallux valgus leiden, eher unangenehm. Die Zehen-Fehlstellung fällt besonders in offenen Schuhen als ästhetisches Problem auf. Je nach Schuhform können Druckstellen zusätzlich belasten. Viele entscheiden sich deshalb für eine Operation.
Wie der Schiefstand der Großzehe physiotherapeutisch therapiert werden kann, erklärt GAUSS Medical.
In Deutschland leiden viele Tausende unter einem Hallux valgus. Was bedeutet diese Zehen-Fehlstellung für Betroffene?
Der lateinische Begriff Hallux bedeutet „große Zehe“, valgus steht für „auswärts gerichtet“. Auffallend ist die seitliche Abweichung der Großzehe in Richtung der kleinen Zehen, also von der Körpermitte weg. Das Fußgewölbe ist oft abgeflacht, der Vorfuß breiter als gewöhnlich. Oft bilden sich sogar sogenannte Hammerzehen an den anderen Zehen.
Zusätzlich zum Schmerz und dem optischen Problem, wird die Beinachse fehlbelastet und beeinträchtigt Betroffene bei der Schuh-Auswahl.
Typische Symptome
Ist er ausgeprägt, leiden die meisten Betroffenen unter Schmerzen.
Typische Beschwerden durch einen Hallux valgus sind:
· Rötung und Erwärmung oder Schmerzen im Grundgelenk des großen Zehs
· Glänzende und gespannte Haut an der Innenseite des Grundgelenks
· Schmerzen beim Gehen und als Folge eine Ausweichbewegung über die Fußaußenseite
· Taubheit oder Kribbeln in den Zehen in Ruhe sowie in Bewegung
· Hornhautschwielen in Höhe der Fußballen
Offenbar ist der Hallux valgus in Ländern, wo es heiß ist und man oft barfuß unterwegs ist, eine Seltenheit. Sind also die Schuhe verantwortlich?
Zum Teil. Oft leiden Patienten daran, die jahrelang ein falsches Schuhwerk getragen haben – beispielsweise bei zu engen oder kurzen Schuhen. Frauen sind stärker betroffen, da die Damen-Schuhform (besonders mit Absatz) den Hallux valgus begünstigt. Am Hallux sind allerdings nicht nur die Schuhe Schuld, oft wird er auch einfach vererbt.
Der Hallux erscheint ja nicht von einem Tag auf den anderen, wie genau kommt es dazu?
Der Leidensweg der Betroffenen startet oft mit einer Fußdeformität wie zum Beispiel einem Spreizfuß (abgeflachtes Fußgewölbe). In der Folge verändern sich Fußstatik und Muskelzüge, Bänder werden überdehnt.
Obschon also der Schmerz oft lokal im Fuß stattfindet, nimmt die Ursache ein größeres Ausmaß an. In der Therapie richtet man sein Augenmerk unter anderem auf Hüft-, Knie- und Fußstatik oder schaut sich die Beinachsen-Problematik (etwa O- und X-Beine) an. Fußmuskulatur wird trainiert und Tipps für den Alltag gegeben.
Ist der Leidensdruck hoch, kann man den Hallux valgus operieren. Was passiert da genau?
Bei jüngeren Patienten ist oft noch keine große Abnutzung erkennbar und es wird operiert, um das Gelenk zu erhalten. Ältere Patienten leiden meist schon unter Arthrose und somit unter Einschränkungen des Gelenks.
Hier werden Teile des Grundgelenks entfernt. Die Position der Knochen wird korrigiert und stabilisiert. Nach der Operation werden die Patienten mit einem Vorfuß-Entlastungsschuh versorgt. Physiotherapie ist sowohl vor als auch nach einer Operation ratsam.
Wie kann Physiotherapie konkret helfen?
Fehlstellungen der Großzehe sind je nach Ausmaß nur bedingt beeinflussbar. Möchte der Patient nicht operieren, können innerhalb der konservativen Therapie entlastende und schmerzlindernde Maßnahmen helfen. Weiter liegt der Schwerpunkt auf der Mobilisation (Bewegungserweiterung und -erhalt) sowie gezielten Stabilisationsübungen. Im Anfangsstadium können Tape-Verbände und Lagerungsschienen für die Nacht Unterstützung bieten. Unbedingt ratsam ist eine Schuhberatung, um Fehlbelastungen zu vermeiden.




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